Filme - Palästina-Forum-Nahost

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Auf dieser Seite weisen wir auf Filme hin, die das Leben der Palästinenser thematisieren. Auch hier geht es uns vorrangig um die politische Perspektive.


In der Reihe „Zerreißproben“ wird am 09.04. 2014, 19.00 Uhr in der Christuskirche der Film „Kinder der Steine  .  Kinder der Mauer“ von Robert Krieg / Monika Nolte (2010) gezeigt.

Zu den weiteren Filmen der Reihe „Zerreißproben“ siehe die Seite „Aktuelle Veranstaltungen


„Das Tor zur Sonne“

Zweiteiliger Film über die Weitervermittlung der Nakba-Erfahrungen als Geschichte eines Palästinensers und seines Volkes.

Beirut, 1994. Der altgewordene palästinensische Freiheitskämpfer Yunus ist ins  Koma gefallen. Um ihn am Leben zu halten, erzählt der Arzt Khalil ihrer beider Biografien. Die begann, als sich der 16jährige Yunus 1943 dem palästinensischen Widerstand anschloss, erzählt von seiner Liebe zu Nahila, berichtet von dem Massaker von Shatillah.

Regisseur Yousry Nasrallah steht wie der Autor der Romanvorlage Elias Khoury in der alten Tradition arabischer Geschichtenerzähler. Eine berührende Chronik des Nahost-Konflikts mit Fokus auf die Nakba des palästinensischen Volkes.

Der sehr eindrucksvolle Film scheint leider zur Zeit nicht erhältlich zu sein.


Wundervolles Land Antizionismus in Israel  von  Eretz Nehederet

auf Youtube zum ansehen bitte hier klicken




Schutzpatron in Gold

Der Dokumentar Film „Strangers no more„ von Karen Goodman und Kirk Simon

Ein roter Teppich liegt hier nicht. Gefeiert wird auf steingrauem Asphalt, und im Rampenlicht stehen Hauptdarsteller, die auch heute wieder schwer zu tragen haben an ihren Schulranzen und ihren Lebensgeschichten. Es sind Geschichten von Armut und Angst, von Verfolgung und Tod. Doch nun handelt ein neues Kapitel plötzlich von Glamour und Glanz. Am Eingang der Bialik-Rogozin-Schule, dort, wo der Wachmann Mosche steht mit seinem Revolver am Gurt, hängt heute ein Foto der Schuldirektorin Karen Tal. Sie trägt ein Abendkleid - und in der Hand hält sie den Oscar.

Mit der Trophäe ist ein Film über ihre Schule ausgezeichnet worden, und Karen Tal hat den Preis für den besten Dokumentar-Kurzfilm in Hollywood gemeinsam mit den amerikanischen Filmemachern Karen Goodman und Kirk Simon gefeiert. „Strangers no more“ handelt vom Leben und Lernen der Kinder im Süden von Tel Aviv. Hier, im heruntergekommenen Hinterhof der Mittelmeermetropole, hausen Flüchtlinge aus Afrika neben Billigarbeitern aus Asien und russischen Einwanderern. Die Kriminalität gedeiht prächtig, die Hoffnung nicht. „Aber wir haben eine wunderbare Schule“ sagt Ruthy Yarkony, „alle Schulen auf der Welt sollten so sein.“

Seit fünf Jahren ist Yarkony nun schon Lehrerin an der Bialik-Rogozin-Schule, und die Auszeichnung aus Hollywood feiert sie mit ihren Kollegen als Oscar für die beste Pädagogik. „Wir sind sehr stolz“, sagt sie. Denn die Schule, die der 40minütige Film zeigt, ist ein berührender Ort der Hoffnung. „Wir haben Schüler aus allen Ländern und allen Religionen“, sagt Yarkony, „und wir arbeiten alle zusammen.“ Integration gelingt hier unter schwierigsten Bedingungen. Die mehr als 800 Schüler stammen  aus 48 Nationen, im Schulflur hängen die Fahnen der Heimatländer.

Für die Kinder, die sonst nur schwer heimisch werden, ist die Schule ein Zuhause. Hier sind sie keine Fremden mehr – „Strangers no more“. Schon morgens um sieben öffnen die Tore, da gibt es ein Frühstück für die, die sonst mit leerem Magen im Unterricht säßen. Am Nachmittag wird Sport angeboten und Theater, und am Abend kommen die Eltern, um Hebräisch zu lernen. Die Lehrer kümmern sich darum, wenn ein Schüler eine Brille braucht oder eine Therapie. „Wir kämpfen um jedes Kind“, sagt Ruthy Yarkony, und immer weniger gehen dabei verloren. Vor fünf Jahren noch schafften es nur 28 Prozent der Schüler bis zum Abschluss in der 12. Klasse, heute sind es 70 Prozent – das liegt sogar noch über dem israelischen Durchschnitt. All dem hat der Film ein Denkmal gesetzt. Es ist eine Erfolgsgeschichte bis hin zum Oscar. Am Tag danach ließ es sich auch Israels Präsident Schimon Peres nicht nehmen, die Schuldirektorin im fernen Amerika anzurufen und zu gratulieren. Der Film habe Israel internationale Anerkennung gebracht und das Augenmerk auf die Mitmenschlichkeit des Landes gelenkt. So etwas gefällt auch den Politikern in Jerusalem gut, denn sie wissen, dass das Image des Landes arg gelitten hat in der letzten Zeit. Der Film zeigt endlich einmal andere Bilder aus Israel, und nur zu gern würden sich nun auch die Politiker ein wenig sonnen im Glanz aus Hollywood. Doch in der Bialik-Rogozin-Schule halten sie davon wenig. Sie brauchen den Oscar dringend für sich allein – als Schutzpatron gegen die Politik der Regierung.

Denn so schön die Welt dieses Dokumentarfilms auch ist – sie wird bedroht von einer Wirklichkeit, die von Integration nichts wissen will. Im vorigen Sommer hat das Kabinett beschlossen, härter gegen illegale Einwanderer vorzugehen, und Innenminister Eli Jischai will auch auf Kinder keine Rücksicht mehr nehmen. nun sind 120 Schüler der Bialik-Rogozin-Schule akut von Deportation bedroht. Am Flughafen von Tel Aviv wird ein neues Abschiebezentrum eröffnet. „Statt ein Gefängnis am Flughafen sollte die Regierung besser weitere Schulen wie diese bauen“, sagt Ruthy Yarkony, die Lehrerin. Auch in ihrer Klasse sitzen acht Kinder, die in Angst leben vor der Abschiebung. Doch nun gibt es neue Hoffnung – sie knüpft sich an den Oscar-Effekt. „Die internationale Aufmerksamkeit könnte helfen, die drohende Abschiebung zu verhindern“, sagte Filmemacher Kirk Simon. Doch auch er muß fürchten, dass der Filmruhm flüchtig ist – und dass es ein Happy End manchmal nur in Hollywood gibt.

PETER MÜNCH
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2011

 
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